Warum schließt du, Pam?

Warum schließt du, Pam?

Vor drei Jahren um diese Zeit war ich voll im Flow und habe alles gegeben, damit mein Ladengeschäft vor Ort einen guten Start hinlegt und ich hätte mir nicht vorstellen können, das ich heute dabei bin, all das wieder zurückzubauen. Und doch freue ich mich aktuell mehr denn je auf diesen nächsten Schritt für mein Geschäft. 

Ich nehme es einmal vorweg: Die Schließung der Häkelschafe vor Ort hat keine wirtschaftlichen Gründe. Mein Geschäft ist super gestartet und bereits im 2. Monat lief es so gut, dass ich alle meine Kosten und Wünsche problemlos decken konnte. Und auch in den schwachen Monaten waren die finanziellen Mittel glücklicherweise nie ein Problem. In Jahr Drei sind wir finanziell genau da, wo wir sein sollten: bei einem tragfähigen Vor-Ort-Geschäft mit stabilen Zahlen. Auch wenn das Wachstum aktuell durch die weltwirtschaftliche Lage nicht so üppig ausfällt, wie wir es gern hätten, könnte der Laden rein wirtschaftlich genau so weiterlaufen und alles wäre fein. 

Im Laden zu stehen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Tolle Kunden, viele spannende Projekte und schöne Kooperationen haben den Alltag versüßt. Und trotzdem fehlte mir nach einer Weile etwas. 

Einzelhandel vor Ort bedeutet neben coolen Kundenbegegnungen leider auch viel warten. Man erwartet von uns Händlern, das wir möglichst oft und lang verfügbar sind. Früh morgens öffnen und abends bitte länger da bleiben, damit man in Ruhe shoppen kann. Leider zeigt sich in der Realität, dass nur sehr wenige dann auch wirklich früh morgens unterwegs sind oder abends nach der Arbeit noch zu mir kommen. Und so war es gefühlt immer ein wenig verschenkte Lebenszeit, in der nichts anderes geht, wenn die Nachmittage ruhig blieben. 

Konzentriertes Arbeiten an Anleitungen oder einem Projekt ist in diesen Wartezeiten leider nur bedingt möglich. Denn immer genau dann, wenn man mitten im Projekt ist, geht doch die Ladentür auf. Die Arbeit zu Hause bleibt liegen, weil ich nicht eben vom Laden ins Private springen kann. Und auch, wenn man nach einem langen Ladentag nach Hause kommt, schafft man nicht mehr viel. Das ist Alltag im Einzelhandel.

Für den einen mag so ein Laden mit all seinen Umsätzen und schönen Begegnungen erfüllend sein, mir hat es leider nicht immer gereicht um auch wirklich glücklich zu sein. Es war oftmals auch sehr beengend, wenn man Termine nicht wahrnehmen konnte oder die Aufgaben an anderer Stelle zu viel wurden. Und einen Teil des Geschäfts jemand anderem zu überlassen, war leider auch nicht wirklich möglich. Dazu steckt zuviel von mir persönlich in den Häkelschafen.

Als im Frühjahr ein Angebot für ein Homeoffice-Projekt hereinkam, war mir schnell klar: Ich will nochmal mehr. Mehr Freiheit, mehr Flexibilität, weniger verschenkte Zeit. All die Dinge, die Selbstständigkeit für mich ausmachen und die einfach nicht zum stationären Einzelhandel passen. 

Ich hab mich also für die große Freiheit entschieden und gebe dafür das Ladengeschäft her. Was aber nicht bedeutet, dass ich auch Die Häkelschafe hergebe. Mein Business war von Anfang an viel mehr als nur das Ladengeschäft vor Ort.

Der Onlineshop war immer ein großer und wichtiger Bestandteil des Ganzen, ohne den der Schritt zum Ladenlokal nicht möglich gewesen wäre. 

Youtube ist in den drei Jahren beständig gewachsen und ihr habt mir immer wieder gezeigt, wie sehr ihr meine Videos und Hilfestellungen feiert.

Und auch all die vielen Projekte im Hintergrund, die ihr hier in der Häkelbubble in der Regel nie zu sehen bekommt, sind ein wichtiger Teil des Ganzen. 

Und genau diese Bereiche bleiben. Ich werde weiter im Netz aktiv sein, weiter häkeln und hoffentlich viel mehr Inhalte mit Euch teilen können, die in den letzten Jahren aufgrund der Ladenöffnungszeiten nicht statt finden konnten. Und weiter im Hintergrund Projekte machen.

Im Endeffekt hole ich mir mit dieser Entscheidung nicht nur ein Stück Freiheit zurück, sondern vor allem Zeit. Die vielen Stunden, die ich in den letzten Jahren wartend verbracht habe, wollen noch einmal mit Action, Abenteuer und neuen Erfahrungen gefüllt werden. Und genau darauf freue ich mich. 

Natürlich bedeutet das nochmal Veränderung. Zuerst einmal die örtliche. Mein ganzer Laden wird zurückgeführt zu seinen Wurzeln, der Onlineshop zu Hause. Lagerflächen müssen geschaffen werden, Prozesse wieder neu aufgestellt und gelernt werden. Hier nehme ich sehr viel Erfahrung aus dem Ladenlokal und meinem inzwischen sehr großen Netzwerk mit. Die digitale Komponente konnte ich mir in den letzten drei Jahren schon sehr gut aufbauen. 

Und dann brauche ich einen neuen Zeitplan. Aktuell ist das noch die allergrößte Herausforderung. Es gibt Dinge, die würde ich am liebsten sofort umsetzen, muss nun aber noch die Zeit abwarten. Und warten konnte ich noch nie gut. Glücklicherweise lenkt mich der Lageraufbau und all die Projekte im Hintergrund gut ab. Vieles fühlt sich grad noch abstrakt an. Das wird aber hoffentlich besser, wenn ich in 40 Tagen dann auch real damit starten kann. 

Bis dahin bleiben uns noch einige Wochen vor Ort, noch viele gute Gespräche und jede Menge Räumarbeit ☺️

 

 

 

 

 

 

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